Alkoholabhängigkeit

Wir wachsen in einer Gesellschaft auf, in der Alkohol immer gegenwärtig ist. Feiern ohne Alkohol ist für die meisten gar nicht vorstellbar. Gäste werden mit einem Glas begrüsst. Wer nichts verträgt, ist kein Mann. Ein Gläschen in Ehren kann keiner verwehren. Das Glas Rotwein beim Kerzenschein, das Glas Sekt beim Empfang des Bürgermeisters, das Glas Bier nach dem Fussballspiel, das Glas Kräuterlikör nach dem deftigen Braten verbinden wir mit Genuss. Dazu kommt, dass Alkohol sehr leicht und kostengünstig, eigentlich zu jeder Tageszeit, zu erhalten ist. Niemand findet etwas dabei, wenn man sich Alkohol kauft.

Alkoholmissbrauch - ich doch nicht! Das betrifft nur die Anderen. Die Wahrheit ist aber: Jeder 5. Deutsche betreibt heute Alkoholmissbrauch.

Die Grenze zum Alkoholmissbrauch ist unscharf und auch individuell unterschiedlich. Die Grenze vom risikohaften Genuss zum Missbrauch ist dann überschritten, wenn durch die getrunkene Alkoholmenge und das Trinkverhalten die Gefahr besteht, auf Dauer alkoholabhängig zu werden. Alkoholmissbrauch führt in sehr vielen Fällen zur Alkoholabhängigkeit. Regelmässig täglich zwei Glas Bier oder Wein können schon zu viel sein.
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Alkoholabhängigkeit

Die Sucht nach Alkohol ist eine Krankheit, an der in Deutschland mindestens zwei Millionen Menschen leiden. Etwa 12 % aller Männer sind alkoholabhängig. Die Folgen sind verheerend: Leber, Magen, Bauchspeicheldrüse, Gehirn, das Herzkreislaufsystem, das Nervensystem, andere Organe und nicht zuletzt die Psyche und das soziale Gefüge, in dem Sie leben, können bleibende Schäden erleiden.
Aber nur jeder zehnte Alkoholabhängige begibt sich in die notwendige Behandlung. Denken Sie mal nach.

Woran kann ich erkennen, ob ich alkoholabhängig bin?

Sie sind süchtig nach Alkohol und trinken mit der Zeit immer mehr, um die gleiche Wirkung zu erreichen. Oft verändern sich dann auch die Trinkgewohnheiten. Sie greifen dann auch zu stärkeren Getränken. Zum Bier oder Glas Wein kommt immer öfter Hochprozentiges. Schließlich trinken Sie den Schnaps, Weinbrand oder Whisky direkt aus der Flasche, bis eine Flasche am Tag nicht mehr ausreicht... Dann spielt auch die Tageszeit oder der Ort, wo Sie trinken, keine Rolle mehr.

Wenn Sie keinen Alkohol getrunken haben, bekommen Sie Entzugserscheinungen. Es geht Ihnen richtig schlecht.

Sie können das Trinken nicht mehr kontrollieren. Das unwiderstehliche Verlangen bringt Sie dazu, mehr zu trinken, als Ihnen gut tut. 

Alle Gedanken kreisen um den Alkohol, Sie machen sich Sorgen, ob der Vorrat oder das Geld für die notwendige Ration reicht.

Sie hatten nach der letzten Sause einen Filmriss und können sich nicht mehr an alles erinnern.

Ihre Versuche aufzuhören bleiben erfolglos.

Sie fühlen sich schuldig, wenn Sie jemand auf das Trinken anspricht und trinken schon morgens, um “in Gang” zu kommen. Und trotzdem belügen Sie sich selbst und Ihre Angehörigen oder Freunde und Kollegen. Ich hab alles im Griff, ich könnte jederzeit aufhören. Schließlich ist da dieses oder jenes Problem, der Stress. Das hält man ja nicht aus. Macht doch jeder so. Es sind die Umstände, die Anderen, die schuld sind.

Der Weg aus dem Teufelskreis

Zuerst müssen Sie akzeptieren, dass Sie wirklich ein Problem haben und Hilfe brauchen. Gehen Sie sofort zu einem Arzt!

Die Entgiftung

Wenn man damit rechnen muss, dass erhebliche Entzugserscheinungen auftreten, wird die Entgiftung in einer Suchtklinik oder einem Krankenhaus stationär durchgeführt. Leichte Fälle können ohne Medikamente ambulant unter ärztlicher Kontrolle erfolgen. Die Entgiftung dauert ein paar Tage, vielleicht ein zwei Wochen. Dann wissen Sie schon mehr.

Die Entwöhnung

Nach der Entgiftung kann man noch nicht vom Alkohol lassen. Die stationäre Entwöhnungsbehandlung (medizinische REHA, Alkohol-Entwöhnungs-Behandlung) in einer Fachklinik oder einem psychiatrischen Krankenhaus schafft die Voraussetzung für ein Leben ohne Alkohol. Sie dauert zwischen 4 Wochen bis 6 Monate oder länger. Das hängt vom Einzelfall ab. Das wichtigste Ergebnis  sollte sein, dass Sie für sich selbst eine ganz klare Entscheidung treffen: Schluß! Ich trinke keinen Alkohol!

Nachsorge

Nach der medizinischen Entwöhnungsbehandlung können ambulante oder teilstationäre Hilfen, ambulante Nachsorge oder Eingliederungshilfen, notwendig sein. Wie lange die Nachsorge dauern wird, hängt sehr von den individuellen Umständen ab. Das kann ein Jahr sein aber auch mehrere Jahre umfassen.

Wenn es gelingt, völlig auf das Suchtmittel zu verzichten, bestehen gute Chancen, wieder ein normales, erfülltes Leben zu leben.