Selbstverständnis

Das Ziel der Arbeit in den Einrichtungen von GrüneRose ist es,  seelisch behinderten Menschen die Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft wieder zu ermöglichen oder zu sichern und sie so weit wie möglich unabhängig von Pflege zu machen.

Es geht also darum, die Lebensqualität der Klienten wieder herzustellen, zu fördern oder aufrecht zu erhalten. Das bezieht sich sowohl auf das innere Erleben als auch auf die Interaktion mit dem sozialen Umfeld. Da es dabei nicht nur um Assistenz und Motivation und die Bereitstellung materieller oder sozialer Schutzräume oder Ressourcen geht, sondern um die Entwicklung individueller Kompetenzen, handelt es sich dabei um einen therapeutischen Prozeß. Es werden im Vollzug der Eingliederungshillfe Verhaltensänderungen, Erlebnisveränderungen, die Erweiterung der Erlebnisfähigkeit also eine Veränderung sozialer Kompetenzen angestrebt und ausgelöst. Bis zur Einführung des Sozialgesetzbuches 2005 war deshalb auch der Begriff "sozialtherapeutisch" geläufig, der sich heute noch in der Bezeichnung "Sozialtherapeutisches Zentrum" erhalten hat.

Die Leistung der Eingliederungshilfe steht zwischen der Sozialarbeit und der Psychotherapie. Die Eingliederungshilfe erbringt keine medizinischen Leistungen sondern leistet soziale Arbeit mit einem therapeutischem Auftrag, den die Sozialarbeit a priori nicht hat. Die Abgrenzung zur Psychotherapie ergibt sich aus dem Psychotherapeutengesetz und aus der therapeutischen Methode. Im Vergleich zur Psychotherapie spielt z.B. die Arbeit an Übertragung und Gegenübertragung  in der Eingliederungshilfe keine Rolle. Hier geht es um die Arbeit in der sozialen Interaktion, um Tagesstruktur, Selbst- und Sinnfindung, Selbsterfahrung, Kognition und Verhaltensänderung.

Unser Selbstverständnis in der  Arbeit mit Suchtkranken ist ganzheitlich. Körper, Seele im Sinne von Ich-Bewußtheit, menschlich sein mit allem Fühlen, Wünschen und Wollen, Geist im Sinne von reflektieren, bewerten und denken und die soziale Interaktion sind betroffen.

Die Arbeit mit dem Klienten kann idealerweise nur gelingen, wenn der Abhängigkeitserkrankte seine Krankheit ohne Vorbehalte akzeptieren kann und selbst daran arbeitet, eine möglichst dauerhafte Abstinenz vom Suchtmittel zu erreichen. Dieses Abstinenzgebot schliesst ein, dass der Weg hin zu einer zufriedenen, stabilen Abstinenz ein Teil des Zieles ist. Rückfälle verstehen wir als symptomatisch, der Suchterkrankung inherent, aber nicht als zwangsläufig gegeben. In diesem Sinne sind Rückfälle oder "Ausrutscher" Gegenstand der therapeutischen Arbeit  und kein Ausschlusskriterium für das Hilfesystem.

Der Prozess der Veränderung des Grades der seelischen Behinderung erfolgt allein im Hier und Jetzt. Die Frage nach den Ursachen der Sucht hat für den Klienten eine unterstützende Funktion. Die Klienten erkennen, soweit möglich, die psychischen und die sozialen Faktoren, die zu den Störungen geführt haben, also das Versagen an der Realität. Allerdings hängt die Fähigkeit zu dieser Reflexion sehr von den geistigen Möglichkeiten des Klienten ab. In vielen Fällen hat der Alkoholkonsum und die oft jahrelange körperliche und psychische Vernachlässigung schwere Schäden an Körper und Geist angerichtet. So richten wir unsere Arbeit  zukunftsorientiert also lösungsorientiert aus. Eine Grundannahme ist, dass Abhängigkeitserkrankungen immer Beziehungsstörungen und Störungen der Persönlichkeit darstellen und oft in frühen Störungen ihre Ursachen haben. Hier erreichen wir die Grenzen unserer Einflußnahmemöglichkeit.

Die Ziele erreichen die Klienten möglichst durch eigene Aktivität:

Die Klienten formulieren ihre Leitziele selbst und nehmen die Hilfen bei der Bewältigung ihrer Suchterkrankung mit dem Fokus auf die Entwicklung einer zufriedenen Abstinenzfähigkeit an. Sie können akzeptieren, dass sie alkoholabhängig sind. Sie erkennen die Funktion des Suchtmittels und entwickeln und realisieren selbst Strategien zur Vermeidung des Konsums.

Die Klienten verbessern ihre soziale Kompetenz im Zusammenleben mit anderen Menschen und im Umgang mit sich selbst und entwickeln dazu die erforderlichen Handlungskompetenzen. Sie erwerben arbeits- und beschäftigungsbezogene Grundfertigkeiten, lebenspraktische Fähigkeiten und Fertigkeiten für ein selbstbestimmtes erfülltes Leben möglichst im eigenen Wohnumfeld.

Die Klienten verbessern und fördern ihr subjektives Wohlbefindens und verbessern die Wahrnehmung und Differenzierung ihrer Gefühle und ihres Körpergefühls. Sie entwickeln geeignete Kommunikationsmöglichkeiten und lernen, mit psychisch belastenden Situationen umzugehen. Sie stabilisieren ihr Selbstwertgefühl, ihre Selbständigkeit, Selbstbestimmung und Selbstverantwortung. Schliesslich fördern sie ihre Ausdauer und Belastbarkeit auch hinsichtlich zukünftiger beruflicher Tätigkeiten. Andererseits müssen wir als Helfer auch die Grenzen akzeptieren, die uns der Grad der Behinderung des Klienten oft setzt. Die Teilhabefähigkeit kann nicht normiert werden, sie begegnet uns immer in individueller Gestalt, besonder deutlich, wenn psychische oder körperliche Funktionen sehr eingeschränkt sind.

Das erwarten wir von unseren Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen:
Sie verfügen über die fachlichen Fähigkeiten und Fertigkeiten und kennen die Grenzen ihrer Zuständigkeiten.
Ihre Einstellung zu den Klienten ist geprägt von bedingungsloser Wertschätzung, einfühlendem Verstehen und Echtheit. (siehe Carl R. Rogers)
Sie können sich vom Klienten klar abgrenzen und sein Anderssein akzeptieren.
Sie sind emotional und affektiv stabil und besitzen ein stabiles Selbstwertgefühl.
Sie brauchen den Klienten nicht zur eigenen Selbstbestätigung.
Sie können  Prozesse der Übertragung und Gegenübertragung erkennen und damit umgehen.

(Wir verwenden die maskuline Form als grammatisches Mittel  und meinen ohne Diskriminierung immer sowohl  männliche als auch weibliche Menschen.)